Geschichte

150 Jahre MGV – eine lange Vereinsgeschichte, wechselhaft und geprägt von den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Hintergründen

Am 16. November 1862 wird  das  Gründungsfest  des MGV  feierlich  begangen.

Die Stadt begrüßt den neuen Verein schon früh am Morgen mit Böllerknallen, die städtische „Musikbanda“ zieht mit dem Weckruf durch die fahnenge-schmückten Straßen, und im Cafè Paris unter den Lauben stellt Bürgermeister Dr. Gottlieb Putz als Obmann des neugegründeten Vereins die 30 ausübenden und 60 beitragenden Mitglieder dem Publikum vor.

Das Amt des Chormeisters hat Johann Grissemann übernommen. Vor einer strengen Kommission hat der junge Landecker im Rathaus die Prüfung als Tenorsänger für den Pfarrchor und als Kapellmeister der städtischen „Musikbanda“ – die in diesen Anfangsjahren auch die Kurmusik besorgt glänzend bestanden, und seine schwungvolle Stabführung geleitet den MGV von seinen Anfängen bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts.

Karl Klinger folgt Grissemann in seinem Amte nach, der stille bescheidene Wagnerianer. Er führt den Chor zu hohen Leistungen, muss dann aber aus Gesundheitsgründen den Taktstock niederlegen.

Klingers Nachfolger wird Ernst Schmeißer. Unter 250 ( ! ) Konkurrenten wird ihm die Stelle als Kapellmeister des Meraner Kurorchesters zugesprochen und 1922 wird er anlässlich seines 25jährigen Dirigentenjubiläums zum Ehrenchormeister des MGV ernannt.

Diese Chormeister der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sind zugleich tüchtige Dirigenten der Kurkapelle und verstehen es immer wieder, den MGV neben den vier bis sechs Liederabenden im Jahr auch zusammen mit dem Kurorchester auf die Bühne zu bringen. Zudem tritt der MGV im Stadttheater zur Verstärkung des Theaterchors an, wie z. B. bei der Aufführung der Oper „Evangelimann“ von Kienzl (die übrigens der Komponist selbst dirigiert), und begehrt sind die Eintrittskarten zu den Silvesterabenden im Kurhaus, wo sich die Meraner bei Gesangs- und humoristischen Vorträgen durch den MGV, Mitglieder des Stadttheaters und die Kurkapelle köstlich unterhalten.

Auch der Leiter des Pfarrchors fand beim MGV stets ein offenes Ohr für seine Unternehmungen. F.X. Gruber, dem Enkel des Komponisten des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ gelang es öfter, den MGV, den Meraner Damenchor, den Pfarrchor und das verstärkte Kurorchester unter seiner Dirigentschaft zu vereinen, am eindruckvollsten wohl für die Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Haydn im Stadttheater (1908).

Die Mitwirkung an den Festen der Bürgerschaft und der Stadt war für den MGV seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Es mussten nicht immer so große und bedeutende Feierlichkeiten sein wie die zum 50jährigen Bestehen Merans als Kurort (1886) oder die Generalversammlung des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins in Meran im Jahr 1900 – der MGV beteiligte sich auch an den Festumzügen aller Art und war in der Stadt stets als eine Säule des kulturellen Geschehens präsent.

Mit Recht wurde das „goldene“ Jubelfest zum 50jährigen Bestehen des Männerchors (19.- 21. Oktober 1912) mit großem Aufwand gefeiert.

Musikdirektor Schmeißer hatte wie immer ein geschmackvolles Programm zusammengestellt, Brudervereine aus dem In- und Ausland fanden sich mit dem Kurorchester zum Festkonzert in der Jahnturnhalle zusammen, und als der Männerchor mit dem Chor „Totenvolk“ von F. Hegar und Kremsers „Prinz Eugen“ seine Darbietungen beendet hatte, steigerte sich der stürmische Beifall der Bürgerschaft zu Ovationen.

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